Warum dein Körper sich erinnert und was Trauma damit zu tun hat

Es gibt Momente, die sich nur schwer erklären lassen.
Du sitzt auf dem Sofa, vielleicht mit einer Tasse Milchkaffe in der Hand.
Alles ist ruhig.
Es gab keinen Streit. Nichts fordert dich aktuell heraus und niemand will etwas von dir.
Ruhe.
Und doch spürst du: Da ist etwas.
Du merkst, dass dein Atem flach bleibt, spürst eine Wachheit in deinem Körper, die du dir nicht erklären kannst. Er ist irgendwie angespannt, so als würde gleich etwas passieren.

Körpererinnerung und Trauma

Du gehst in Gedanken alles durch. Hast du etwas übersehen?
Aber da ist nichts. Zumindest nichts, was deine Angespanntheit erklären könnte.
Und genau das ist so verstörend. 
Du bist sicher, aber es fühlt sich nicht sicher an.


Wenn dein Körper sich erinnert - anscheinend ohne sichtbaren Grund

Und vielleicht kennst du auch diesen Gedanken: „Aber ich weiß doch, dass alles in Ordnung ist!“
Gleichzeitig spürst du deutlich, dass dein Körper dir das nicht glaubt.
Nicht wirklich.
Denn dein Körper erinnert sich – auch wenn dein Verstand längst weiß, dass gerade keine Gefahr besteht.
Das hat nichts damit zu tun, dass du zu wenig 'an dir gearbeitet hast' oder nicht genug weißt. Sondern damit, dass sich dein Körper an etwas Anderem orientiert als dein Verstand.


Wieso dein Körper sich an Trauma erinnert

Dein Verstand prüft und analysiert Situationen. Er bewertet sie, vergleicht und ordnet ein.
Dein Körper macht etwas anderes.
Er reagiert nicht auf Wissen.
Er scannt Situationen. Nicht nach Fakten, sondern danach, ob etwas vertraut und bekannt ist oder fremd.

Manchmal kann sehr wenig den entscheidenden Ausschlag geben.
Dann reicht ein bestimmter Tonfall. Ein Blick. Oder auch nur eine Situation, die vage an etwas anderes erinnert.
Und dann reagiert dein System. Lange bevor dein Verstand überhaupt etwas bemerkt hat. Dein System reagiert meist nicht laut, aber trotzdem deutlich.


Das Körpergedächtnis: Die Erinnerung deines Körpers

Vielleicht gab es früher in deinem Leben Momente, in denen es nicht sicher war. Nicht unbedingt offensichtlich unsicher, aber spürbar nicht sicher für dich.
Es kann sein, dass du schon früh gelernt hast, dich zurückzuhalten.
Oder besonders wachsam zu sein.
Oder einfach möglichst schnell zu reagieren.

Das, was wir als „Körpergedächtnis“ beschreiben, zeigt sich genau hier. Dein Körper erinnert sich an Trauma – nicht immer in Bildern, sondern hauptsächlich in Empfindungen.
Und dein Körper speichert nicht nur, was passiert ist. Er speichert eher, wie es sich angefühlt hat. Und genau darauf reagiert er wieder, auch dann, wenn das ursprüngliche Erlebnis längst vorbei ist.


Wenn dein Körper schneller ist als dein Verstand

Das kann sich sehr widersprüchlich anfühlen.
Dann ist ein Teil von dir ruhig und ein anderer nicht.
Der eine Teil signalisiert dir: „Alles ist okay“, der andere Teil bleibt wachsam.
Doch das ist keine innere Fehlfunktion, das ist dein System, dass dich schützen will.

Oft fängst du dann an, gegen diese Empfindung zu arbeiten. Du versuchst dich zu beruhigen, reißt dich noch mehr zusammen, um „normal“ zu funktionieren.
Doch dann stellst du fest: Es funktioniert nur bedingt.


Warum dein Nervensystem dich schützen will – nicht blockieren

Doch was wäre, wenn diese innere Unruhe nicht ein Problem ist, sondern ein Hinweis?
Nicht darauf, dass etwas falsch ist an dir, sondern darauf, dass etwas in dir (noch) nicht sicher ist.
Nicht weil es heute nicht sicher wäre.
Sondern aus einer anderen Zeit heraus.

Hier kannst du mehr darüber lesen, wie dein Nervensystem dich schützt.


Im ersten Schritt geht es nicht um „Wegmachen“

Schnell kommt dann die Frage: „Wie komme ich da raus?“
Doch vielleicht beginnt Veränderung gar nicht damit?
Sondern mit deiner konkreten Wahrnehmung:

Wie (und wo) fühlt sich dein Körper gerade an?

  • Eng?
  • Unruhig?
  • Innerlich Zurückgezogen?

Nimm es einfach wahr, ohne etwas verändern zu wollen.

Körpererinnerung und Trauma


Wie dein Körper langsam wieder zur Ruhe kommen kann

Manchmal braucht es nicht viel.
Ein etwas längerer Ausatem, einen Moment, in dem du deine Schultern einfach mal sinken lässt.
Oder vielleicht eine Hand irgendwo auf deinem Körper.
Solche kleinen Signale reichen oft schon aus, um deinem Nervensystem zu zeigen, dass jetzt etwas mehr Sicherheit da ist.
Nicht als Technik, sondern als Angebot.


Und vielleicht verändert sich etwas ...

Nicht unbedingt sofort und auch nicht gleich vollständig.
Aber ein kleines Stück.
und dann wird dein Atem vielleicht etwas tiefer oder dein Körper ein wenig ruhiger.
Nicht, weil du dich besonders angestrengt hast.
Sondern weil du ihm signalisiert hast: Jetzt ist es anders.


Vielleicht ist das genug für diesen Moment ...

Du musst nicht vollständig zur Ruhe kommen.
Vielleicht reicht es schon aus, zu bemerken, dass dein Körper reagiert. Dass es einen Grund für seine Unruhe gibt.
Und der ist nicht gegen dich, sondern für dich.

Und vielleicht beginnt genau hier das Neue.
Noch nicht sichtbar.
Aber schon spürbar.

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